Hallo zusammen,
ich meine, wir hatten das Thema hier schon mal, ich finde es aber nicht mehr. Gibt es originale F. A. Uebel ohne Stempel und Seriennummer? Ich meine nicht die, die an Warschewski oder Müller gegangen sind, sondern solche, die komplett ohne alles sind.
Originale Uebel ohne Stempel und Seriennummer
Moderatoren: Dr. Enrico Weller, Mario Weller
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Christian-Grenoble
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Re: Originale Uebel ohne Stempel und Seriennummer
Guten Tag, Vuvuzella,
wir sind uns ja schon ein paarmal im Laufe der Jahre über den Weg gelaufen, hier oder anderswo.
Verzeih, aber was Du hier fragst, ist für mich wieder so "eine von diesen Fragen": von jenen nämlich, auf die es keine Antwort geben kann, weil sie auf falschen Voraussetzungen beruhen, und vor allem weil der Fragesteller sich nicht traut, auszusprechen was er eigentlich wissen will.
Ich kann also hier nur versuchen, Informationen im Zusammenhang mit dem zu liefern, was ich als eigentliche Motivation hinter Deiner Frage vermute (ich habe da so meine Idee).
Klarinettenherstellung ist ein arbeitsteiliger Prozess, das ist heute so und war so in der Zeit F. Arthur Uebels. Die Dynamik der markneukirchener Instrumentenherstellung in ihrer großen Zeit, ihre Konkurrenzfähigkeit, beruhte, wie wir wissen, letztendlich auf der Heimarbeit, es war im Kern das was man im englischen Sprachraum "Cottage industry" nennt.
Es ist aber noch heute so, dass Du, wenn Du beispielsweise eine neue Klarinette einer bekannten Bamberger Werkstatt erhältst, ein Instrument in der Hand hast, das vielleicht zu 60 %, vielleicht zu 80 Prozent in Bamberg hergestellt worden ist - der Rest fand wo anders statt.
In jeder "alten Uebel" (verstehen wir darunter hier die Instrumente aus der Werkstatt F. Arthur Uebel aus der Zeit zwischen 1936 und 1963, denn um die scheint es Dir zu gehen) steckt also Arbeit von Klappenschmieden und Ansetzern, die formal selbständige Kleinhandwerker waren. Im Katalog der Oehler-Ausstellung kannst Du viel Interessantes zu den Verbindungen nach Oberfranken und zu den Regnitzlosauer Klappenschmieden, unter anderem der Firma Voigt, nachlesen.
Es greift also zu kurz, wenn man oft hört, dass Ludwig Warschewski in Stockholm halbfertige Uebel-Klarinetten überarbeitet und dann mit seinem Stempel verkauft hätte - und dass eine Warschewski nur eine "umgelabelte" Uebel sei, ist schlicht falsch. Es reicht, einmal eine Warschewski anzuspielen, besser noch abwechselnd mit einer "alten Uebel" anzublasen, und die Dinge sind klar: das sind völlig andere Klarinetten, eine völlig andere Philosophie, eine völlig andere Handschrift. Worin die Hauptunterschiede (die faktischen in der Herstellung und die gefühlten beim Spielen) bestehen, könnte man an anderer Stelle vertiefen, hier führte das zu weit.
Nur noch eine abschließende Bemerkung zu Warschewski: die meisten Warschewskis sind vor der Gründung des Werkstatt F. A. Uebel hergestellt worden, und die Funktion als Zulieferer für den Klarinettisten und Klarinettenbauer in Stockholm ist also vor allem von der Firma F. G. Uebel ausgeübt worden; wobei es sich (siehe oben) zum Teil darum handelte, die Arbeit der verschiedenen Zulieferer zu koordinieren und das Resultat zu versenden. Es kommt der Wahrheit wohl näher, wenn man die optischen Ähnlichkeiten, die zwischen den Instrumenten feststellbar sind, damit verbindet, dass F. G. Uebel, O. Oehler und L. Warschewski die gleichen Zulieferer hatten, speziell im Bereich der Klappenschmiede, wobei bei den Instrumenten aller drei Werkstätten die Holzbearbeitung bis zu einem gewissen Stadium in den Händen der Firma F. G. Uebel lag - womit wir dann schon fast bei der Person F. A. Uebels angekommen wären, der ja bekanntlich von Hause aus "Stecher" war.
Ein kurzer Einschub: dass F. Arthur Uebel (halbfertige? ungestempelte?) Instrumente an "Müller" (vermutlich Müller Bremen? bei Müller Hamburg halte ich das für unvorstellbar) geliefert haben soll, höre ich zum ersten Mal. Ich halte das für eine Konfusion: von anderen Werkstätten im Raum Markneukirchen weiß man das, zum Beispiel war Johann Hans Todt als Ansetzer für Müller Bremen tätig, und nach dessen Tod auch kurz sein Sohn, K. F. Todt. Aber nicht F. Arthur Uebel.
Nicht alles was wie die Klarinetten einer bestimmten Werkstatt aussieht, kommt aus dieser Werkstatt. Wenn man eine Becherklappe im Ring sieht, dann sieht das unwillkürlich nach "Uebel" (i. e. Original FAU nach 1954/55) aus, aber das täuscht. Diese Ausführung der Bechermechanik, die F. A. Uebel eingeführt hat, haben auch viele andere Werkstätten eine Zeitlang gebaut, wie FAU ja überhaupt gerne kopiert worden ist: Herbert Wurlitzer, Mollenhauer Kassel, bei Müller Bremen weiss ich's ehrlich gesagt im Moment nicht, kann es aber auch nicht ausschließen (mir ist so als hätte ich das mal gesehen), Oskar Adler nach der Wende, etc. etc..
Wenn man ungestempelten Instrumenten begegnet, dann handelt es sich oft um Klarinetten, Flöten etc., die ein Heimarbeiter auf eigene Rechnung gebaut hat. Das war durchaus üblich, und oft für die Subsistenz der Familie lebenswichtig, wurde natürlich von den etablierten Werkstätten nicht allzu gerne gesehen, aber es ist ihnen nie gelungen, der Sache einen Riegel vorzuschieben. Nach der Gründung der DDR kam erschwerend noch dazu, dass der Betreffende sich im Fadenkreuz der diversen Genossenschaften und Handelsorganisationen, die den Instrumentenbau und den Verkauf reglementierten, wiederfand. Da ein Heimarbeiter selbst in der Regel nicht alle Etappen der Instrumentenherstellung beherrschte, aus Mangel an entsprechendem Werkzeug oder Material, musste man sich hierzu natürlich z. B. vorgebohrte Hölzer aus dem Hauptstrang der Herstellung einer bekannten Werkstatt besorgen. Wenn also beispielsweise ein solcher Heimarbeiter regelmässig als Ansetzer für F. A. Uebel arbeitete und in kleinem Maßstab auf eigene Rechnung Klarinetten baute, dann lag es nahe, die Hölzer aus der Herstellung von F. A. Uebel abzuzweigen (den Ausschuss zu ergattern, um das klar zu sagen), und das Resultat sah dann zum Verwechseln wie eine "Uebel" aus.
Was aber macht eine Original F. A. Uebel aus? Nicht das Holz, denn Friedrich Arthur Uebel, der Stecher, bohrte ja, soweit man das weiß, spätestens seit 1920 die Grenadillscheite der Oskar-Oehler-Klarinetten, der Ludwig-Warscheswki-Klarinetten, der F. G. Uebel-Klarinetten, und ab 1936 dann der FAUs. Im Kern ist eine "Uebel" (im oben definierten Sinne) eine Klarinette, die von Max Schnabel ausgestimmt worden ist - so wie eine Warschewski eben eine von L. W. ausgestimmte Klarinette mit der von L. W. entwickelten Bohrung ist, etc. Hinzu kommt, vor der abschließenden Etappe des Ausstimmens, ein allgemeiner Qualitätsanspruch, zum Beispiel bei der Auswahl der Hölzer: da kann man getrost davon ausgehen, dass unter den Zeitgenossen niemand dafür kompetenter war als F. Arthur Uebel.
Die Klarinette, die Dich offenbar umtreibt, halte ich für solch ein Instrument - sowas nannte man "schwarz gebaut". Was übrigens auf den Photos ganz anders als eine normale Gussklappen-Uebel aus den späten 50ern, an die das Instrument allgemein erinnert, aussieht, ist die Birne: im oberen Teil viel schlanker, insgesamt beträchtlich länger. Und wir wissen ja, wie groß die Bedeutung der Birne für den Charakter einer Klarinette ist. Du kannst getrost davon ausgehen, dass sich beim Spielen diese Klarinette nicht hundertprozentig wie eine Original-FAU anfühlt.
Eine von Max Schnabel ausgestimmte Klarinette, die den Qualitätsansprüchen von F. Arthur Uebel genügte (man kann davon ausgehen, dass er alle Instrumten angeblasen hat), wurde mit dem vollständigen Firmenstempel versehen - nimmt das als die Definition einer "Uebel" im Sinne Deiner Frage: vor dem Krieg bei den einfachen Instrumenten (i. e. unterhalb der Schwelle der Oehler-Mechanik - Klarinetten, die eine solche hatten, hießen bei Uebel aus unerfindlichen Gründen "Theatermodell") nur Oberstück und Unterstück (die Oehler-Modelle auch Birnen, Becher und Mundstücke), nach dem Krieg bei der gesamten Produktion alle Teile.
Soweit ein paar Element zu den Hintergründen Deiner Frage, die gewissermaßen die Regelfälle beschreiben. Man sieht natürlich hin und wieder auch Instrumente, die diesen Rahmen sprengen.
Was es sonst noch gibt:
- F.A.-Uebel-Instrumente mit herausgefeiltem Stempel und herausgefeilter Seriennummer. Das sieht man immer mal wieder, warum man das gemacht hat, ist mir bislang schleierhaft. Insbesondere der Brandstempel der Seriennummer geht so tief, dass die Nummer immer mit etwas Mühe lesbar bleibt. Ich habe so eine A, Spitzenmodell (im Katalog "Meisterarbeit"), mit Stöhr-Mechanik etc.
- F.A.-Uebel-Instrumente mit Seriennummer aber ohne Stempel. In der Anfangszeit der Werkstatt musste sich FAU erst etablieren, er scheint daher solche Instrumente an Händler geliefert zu haben, die dann ihren eigenen Stempel eingebrannt haben. Ich habe so eine Klarinette in B, ebenfalls die "Meisterarbeit", mit zwei verschiedenen Händlerstempeln, davon einer aus Skandinavien (der andere ist ein "Fortschicker"). Kurioserweise hat sie offensichtlich eine Warschewski-Bohrung (und war in England) (????).
Im Katalog von 1936 gibt FAU übrigens Händlern 50% Diskonto - er war noch nicht bekannt genug, um von den Bestellungen der Musiker leben zu können, und musste daher auch Instrumente auf Halde bauen und bei Händlern unterbringen, und in diesem Zusammenhang hat er wohl den Händlerstempel schlucken müssen.
- F.A.-Uebel-Instrumente mit Uebel-Stempel und zusätzlichem Händlerstempel. Das gibt es häufig in der Schweiz (hier schon mal vertieft - Musik Hug, dort auch mit zweiter Seriennummer des Importeurs), in den Niederlanden (Hampe Amsterdam) und aus der Frühzeit der Werkstatt (bis um 8xxx) auch mehrere Instrumente mit "Max Geipel Kiel". Es gibt auch mindestens eine Klarinette (Oehler-Modell, mittleres Modell, also ohne Stöhr-Mechanik, verchromte Klappen) mit dem Uebel-Stempel, ohne Seriennummer, plus dem Geipel-Kiel-Stempel.
- F.A.-Uebel-Instrumente mit dem Uebel Stempel ohne Seriennummer. Die oben erwähnte B mit dem Geipel-Kiel-Stempel ist durch die Verchromung (und besagten Stempel) in die Frühzeit der Werkstatt zu datieren. Andere unnummerierte Instrumente lassen sich ("Neue Oehler-Mechanik", ohne DRGM-Stempel, Holzkamine etc.) in die unmittelbare Nachkriegszeit datieren. Das kennt man auch aus anderen Werkstätten in Markneukirchen, und sieht es in der Regel im Zusammenhang mit dem steigenden Druck staatlicher Stellen auf die Werkstätten - da wurden quasi ein bisschen die Spuren verwischt, damit man wenigstens einen Teil der Produktion noch auf eigenen Rechnung verkaufen konnte (im Westen?).
- Klarinetten mit Uebel-Stempel, die wie Uebel aussehen, die aber keine Uebel sind. Ich habe eine Klarinette, die das Meister- oder Gesellenstück eines vor einigen Jahren verstorbenen Meisters aus der Werkstatt Clemens Wurlitzer war: er hat die Klarinette nie verkauft, das ist nach seinem Tod geschehen, und als ich sie bekam, waren noch die Korkkeile und die Cellophanschnitzel in der Mechanik und auf den Polstern. Die sieht aus der Ferne wie eine Uebel aus, aber wenn man sie genau ansieht oder gar vermisst, stellt man fest, dass es eine ganz eigene Kreation ist (weitere Bohrung etc.). Die Klappen sind handgeschmiedet, die Klarinette mit Quasi Sicherheit (Lebensdaten des Handwerkers) aus der Zeit nach 1963, die Klarinette trägt den vollständigen Stempel von F. Arthur Uebel auf dem Becher (der aber in jeder Hinsicht andere Dimensionen hat als je ein Uebel-Becher hatte) und auf dem Mundstück. Dieser Handwerker hat quasi als Hommage an FAU sein Meister- oder Gesellenstück einer Uebel nachempfunden, und der Neffe hat das akzeptiert, und ihm erlaubt, die Klarinette entsprechend zu stempeln. Die Klarinette ist sehr anders als eine Uebel, aber durchaus ein schönes und interessantes Instrument.
- Klarinetten mit Uebel-Stempel, die absolut nicht wie Uebel aussehen und nichts mit Uebel oder Markneukirchen zu tun haben. Ja, es gibt plumpe Fälschungen. Ich hatte mal eine A, mit handgeschmiedeter Mechanik, wo aber keine Dimension stimmte. Sie trug eine Fälschung des Stempels (Ober- und Unterstück sowie Becher), da fehlte das Wort "Markneukirchen" und das FAU-Logo (das von oben nach unten ...) war der (größeren und gröberen) Version nachempfunden, die in der DDR-Phase (70er und 80er aufkam). Details in der Ausführung der Mechanik verwiesen auf ein handwerklich in Westdeutschland hergestelltes Instrument, vielleicht auch hier ein Gesellen- oder Meisterstück. Intonatorisch und vom Klangcharakter und Spielgefühl her kann sie allerdings leider einer Uebel nicht das Wasser reichen.
Nochmal zu der Klarinette, die Dich anscheinend insteressiert: vor ein paar Jahren war sie schon mal zu verkaufen, in meiner Erinnerung lag sie bei den Holzbläsern. Das erste Photo in der Annonce (in diesem DDR-um-1960-Kasten mit rotem Futter, wo noch die zweite Birne zu sehen ist) stammt aus dieser Zeit. Ich wäre da aber vorsichtig. Und vielleicht verstehst Du jetzt ein bisschen besser, warum! (Der Verkäufer wirkt allerdings seriös, ihn gibt's, er leitet die Kapelle eines Musikvereins im Sauerland.)
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wir sind uns ja schon ein paarmal im Laufe der Jahre über den Weg gelaufen, hier oder anderswo.
Verzeih, aber was Du hier fragst, ist für mich wieder so "eine von diesen Fragen": von jenen nämlich, auf die es keine Antwort geben kann, weil sie auf falschen Voraussetzungen beruhen, und vor allem weil der Fragesteller sich nicht traut, auszusprechen was er eigentlich wissen will.
Ich kann also hier nur versuchen, Informationen im Zusammenhang mit dem zu liefern, was ich als eigentliche Motivation hinter Deiner Frage vermute (ich habe da so meine Idee).
Klarinettenherstellung ist ein arbeitsteiliger Prozess, das ist heute so und war so in der Zeit F. Arthur Uebels. Die Dynamik der markneukirchener Instrumentenherstellung in ihrer großen Zeit, ihre Konkurrenzfähigkeit, beruhte, wie wir wissen, letztendlich auf der Heimarbeit, es war im Kern das was man im englischen Sprachraum "Cottage industry" nennt.
Es ist aber noch heute so, dass Du, wenn Du beispielsweise eine neue Klarinette einer bekannten Bamberger Werkstatt erhältst, ein Instrument in der Hand hast, das vielleicht zu 60 %, vielleicht zu 80 Prozent in Bamberg hergestellt worden ist - der Rest fand wo anders statt.
In jeder "alten Uebel" (verstehen wir darunter hier die Instrumente aus der Werkstatt F. Arthur Uebel aus der Zeit zwischen 1936 und 1963, denn um die scheint es Dir zu gehen) steckt also Arbeit von Klappenschmieden und Ansetzern, die formal selbständige Kleinhandwerker waren. Im Katalog der Oehler-Ausstellung kannst Du viel Interessantes zu den Verbindungen nach Oberfranken und zu den Regnitzlosauer Klappenschmieden, unter anderem der Firma Voigt, nachlesen.
Es greift also zu kurz, wenn man oft hört, dass Ludwig Warschewski in Stockholm halbfertige Uebel-Klarinetten überarbeitet und dann mit seinem Stempel verkauft hätte - und dass eine Warschewski nur eine "umgelabelte" Uebel sei, ist schlicht falsch. Es reicht, einmal eine Warschewski anzuspielen, besser noch abwechselnd mit einer "alten Uebel" anzublasen, und die Dinge sind klar: das sind völlig andere Klarinetten, eine völlig andere Philosophie, eine völlig andere Handschrift. Worin die Hauptunterschiede (die faktischen in der Herstellung und die gefühlten beim Spielen) bestehen, könnte man an anderer Stelle vertiefen, hier führte das zu weit.
Nur noch eine abschließende Bemerkung zu Warschewski: die meisten Warschewskis sind vor der Gründung des Werkstatt F. A. Uebel hergestellt worden, und die Funktion als Zulieferer für den Klarinettisten und Klarinettenbauer in Stockholm ist also vor allem von der Firma F. G. Uebel ausgeübt worden; wobei es sich (siehe oben) zum Teil darum handelte, die Arbeit der verschiedenen Zulieferer zu koordinieren und das Resultat zu versenden. Es kommt der Wahrheit wohl näher, wenn man die optischen Ähnlichkeiten, die zwischen den Instrumenten feststellbar sind, damit verbindet, dass F. G. Uebel, O. Oehler und L. Warschewski die gleichen Zulieferer hatten, speziell im Bereich der Klappenschmiede, wobei bei den Instrumenten aller drei Werkstätten die Holzbearbeitung bis zu einem gewissen Stadium in den Händen der Firma F. G. Uebel lag - womit wir dann schon fast bei der Person F. A. Uebels angekommen wären, der ja bekanntlich von Hause aus "Stecher" war.
Ein kurzer Einschub: dass F. Arthur Uebel (halbfertige? ungestempelte?) Instrumente an "Müller" (vermutlich Müller Bremen? bei Müller Hamburg halte ich das für unvorstellbar) geliefert haben soll, höre ich zum ersten Mal. Ich halte das für eine Konfusion: von anderen Werkstätten im Raum Markneukirchen weiß man das, zum Beispiel war Johann Hans Todt als Ansetzer für Müller Bremen tätig, und nach dessen Tod auch kurz sein Sohn, K. F. Todt. Aber nicht F. Arthur Uebel.
Nicht alles was wie die Klarinetten einer bestimmten Werkstatt aussieht, kommt aus dieser Werkstatt. Wenn man eine Becherklappe im Ring sieht, dann sieht das unwillkürlich nach "Uebel" (i. e. Original FAU nach 1954/55) aus, aber das täuscht. Diese Ausführung der Bechermechanik, die F. A. Uebel eingeführt hat, haben auch viele andere Werkstätten eine Zeitlang gebaut, wie FAU ja überhaupt gerne kopiert worden ist: Herbert Wurlitzer, Mollenhauer Kassel, bei Müller Bremen weiss ich's ehrlich gesagt im Moment nicht, kann es aber auch nicht ausschließen (mir ist so als hätte ich das mal gesehen), Oskar Adler nach der Wende, etc. etc..
Wenn man ungestempelten Instrumenten begegnet, dann handelt es sich oft um Klarinetten, Flöten etc., die ein Heimarbeiter auf eigene Rechnung gebaut hat. Das war durchaus üblich, und oft für die Subsistenz der Familie lebenswichtig, wurde natürlich von den etablierten Werkstätten nicht allzu gerne gesehen, aber es ist ihnen nie gelungen, der Sache einen Riegel vorzuschieben. Nach der Gründung der DDR kam erschwerend noch dazu, dass der Betreffende sich im Fadenkreuz der diversen Genossenschaften und Handelsorganisationen, die den Instrumentenbau und den Verkauf reglementierten, wiederfand. Da ein Heimarbeiter selbst in der Regel nicht alle Etappen der Instrumentenherstellung beherrschte, aus Mangel an entsprechendem Werkzeug oder Material, musste man sich hierzu natürlich z. B. vorgebohrte Hölzer aus dem Hauptstrang der Herstellung einer bekannten Werkstatt besorgen. Wenn also beispielsweise ein solcher Heimarbeiter regelmässig als Ansetzer für F. A. Uebel arbeitete und in kleinem Maßstab auf eigene Rechnung Klarinetten baute, dann lag es nahe, die Hölzer aus der Herstellung von F. A. Uebel abzuzweigen (den Ausschuss zu ergattern, um das klar zu sagen), und das Resultat sah dann zum Verwechseln wie eine "Uebel" aus.
Was aber macht eine Original F. A. Uebel aus? Nicht das Holz, denn Friedrich Arthur Uebel, der Stecher, bohrte ja, soweit man das weiß, spätestens seit 1920 die Grenadillscheite der Oskar-Oehler-Klarinetten, der Ludwig-Warscheswki-Klarinetten, der F. G. Uebel-Klarinetten, und ab 1936 dann der FAUs. Im Kern ist eine "Uebel" (im oben definierten Sinne) eine Klarinette, die von Max Schnabel ausgestimmt worden ist - so wie eine Warschewski eben eine von L. W. ausgestimmte Klarinette mit der von L. W. entwickelten Bohrung ist, etc. Hinzu kommt, vor der abschließenden Etappe des Ausstimmens, ein allgemeiner Qualitätsanspruch, zum Beispiel bei der Auswahl der Hölzer: da kann man getrost davon ausgehen, dass unter den Zeitgenossen niemand dafür kompetenter war als F. Arthur Uebel.
Die Klarinette, die Dich offenbar umtreibt, halte ich für solch ein Instrument - sowas nannte man "schwarz gebaut". Was übrigens auf den Photos ganz anders als eine normale Gussklappen-Uebel aus den späten 50ern, an die das Instrument allgemein erinnert, aussieht, ist die Birne: im oberen Teil viel schlanker, insgesamt beträchtlich länger. Und wir wissen ja, wie groß die Bedeutung der Birne für den Charakter einer Klarinette ist. Du kannst getrost davon ausgehen, dass sich beim Spielen diese Klarinette nicht hundertprozentig wie eine Original-FAU anfühlt.
Eine von Max Schnabel ausgestimmte Klarinette, die den Qualitätsansprüchen von F. Arthur Uebel genügte (man kann davon ausgehen, dass er alle Instrumten angeblasen hat), wurde mit dem vollständigen Firmenstempel versehen - nimmt das als die Definition einer "Uebel" im Sinne Deiner Frage: vor dem Krieg bei den einfachen Instrumenten (i. e. unterhalb der Schwelle der Oehler-Mechanik - Klarinetten, die eine solche hatten, hießen bei Uebel aus unerfindlichen Gründen "Theatermodell") nur Oberstück und Unterstück (die Oehler-Modelle auch Birnen, Becher und Mundstücke), nach dem Krieg bei der gesamten Produktion alle Teile.
Soweit ein paar Element zu den Hintergründen Deiner Frage, die gewissermaßen die Regelfälle beschreiben. Man sieht natürlich hin und wieder auch Instrumente, die diesen Rahmen sprengen.
Was es sonst noch gibt:
- F.A.-Uebel-Instrumente mit herausgefeiltem Stempel und herausgefeilter Seriennummer. Das sieht man immer mal wieder, warum man das gemacht hat, ist mir bislang schleierhaft. Insbesondere der Brandstempel der Seriennummer geht so tief, dass die Nummer immer mit etwas Mühe lesbar bleibt. Ich habe so eine A, Spitzenmodell (im Katalog "Meisterarbeit"), mit Stöhr-Mechanik etc.
- F.A.-Uebel-Instrumente mit Seriennummer aber ohne Stempel. In der Anfangszeit der Werkstatt musste sich FAU erst etablieren, er scheint daher solche Instrumente an Händler geliefert zu haben, die dann ihren eigenen Stempel eingebrannt haben. Ich habe so eine Klarinette in B, ebenfalls die "Meisterarbeit", mit zwei verschiedenen Händlerstempeln, davon einer aus Skandinavien (der andere ist ein "Fortschicker"). Kurioserweise hat sie offensichtlich eine Warschewski-Bohrung (und war in England) (????).
Im Katalog von 1936 gibt FAU übrigens Händlern 50% Diskonto - er war noch nicht bekannt genug, um von den Bestellungen der Musiker leben zu können, und musste daher auch Instrumente auf Halde bauen und bei Händlern unterbringen, und in diesem Zusammenhang hat er wohl den Händlerstempel schlucken müssen.
- F.A.-Uebel-Instrumente mit Uebel-Stempel und zusätzlichem Händlerstempel. Das gibt es häufig in der Schweiz (hier schon mal vertieft - Musik Hug, dort auch mit zweiter Seriennummer des Importeurs), in den Niederlanden (Hampe Amsterdam) und aus der Frühzeit der Werkstatt (bis um 8xxx) auch mehrere Instrumente mit "Max Geipel Kiel". Es gibt auch mindestens eine Klarinette (Oehler-Modell, mittleres Modell, also ohne Stöhr-Mechanik, verchromte Klappen) mit dem Uebel-Stempel, ohne Seriennummer, plus dem Geipel-Kiel-Stempel.
- F.A.-Uebel-Instrumente mit dem Uebel Stempel ohne Seriennummer. Die oben erwähnte B mit dem Geipel-Kiel-Stempel ist durch die Verchromung (und besagten Stempel) in die Frühzeit der Werkstatt zu datieren. Andere unnummerierte Instrumente lassen sich ("Neue Oehler-Mechanik", ohne DRGM-Stempel, Holzkamine etc.) in die unmittelbare Nachkriegszeit datieren. Das kennt man auch aus anderen Werkstätten in Markneukirchen, und sieht es in der Regel im Zusammenhang mit dem steigenden Druck staatlicher Stellen auf die Werkstätten - da wurden quasi ein bisschen die Spuren verwischt, damit man wenigstens einen Teil der Produktion noch auf eigenen Rechnung verkaufen konnte (im Westen?).
- Klarinetten mit Uebel-Stempel, die wie Uebel aussehen, die aber keine Uebel sind. Ich habe eine Klarinette, die das Meister- oder Gesellenstück eines vor einigen Jahren verstorbenen Meisters aus der Werkstatt Clemens Wurlitzer war: er hat die Klarinette nie verkauft, das ist nach seinem Tod geschehen, und als ich sie bekam, waren noch die Korkkeile und die Cellophanschnitzel in der Mechanik und auf den Polstern. Die sieht aus der Ferne wie eine Uebel aus, aber wenn man sie genau ansieht oder gar vermisst, stellt man fest, dass es eine ganz eigene Kreation ist (weitere Bohrung etc.). Die Klappen sind handgeschmiedet, die Klarinette mit Quasi Sicherheit (Lebensdaten des Handwerkers) aus der Zeit nach 1963, die Klarinette trägt den vollständigen Stempel von F. Arthur Uebel auf dem Becher (der aber in jeder Hinsicht andere Dimensionen hat als je ein Uebel-Becher hatte) und auf dem Mundstück. Dieser Handwerker hat quasi als Hommage an FAU sein Meister- oder Gesellenstück einer Uebel nachempfunden, und der Neffe hat das akzeptiert, und ihm erlaubt, die Klarinette entsprechend zu stempeln. Die Klarinette ist sehr anders als eine Uebel, aber durchaus ein schönes und interessantes Instrument.
- Klarinetten mit Uebel-Stempel, die absolut nicht wie Uebel aussehen und nichts mit Uebel oder Markneukirchen zu tun haben. Ja, es gibt plumpe Fälschungen. Ich hatte mal eine A, mit handgeschmiedeter Mechanik, wo aber keine Dimension stimmte. Sie trug eine Fälschung des Stempels (Ober- und Unterstück sowie Becher), da fehlte das Wort "Markneukirchen" und das FAU-Logo (das von oben nach unten ...) war der (größeren und gröberen) Version nachempfunden, die in der DDR-Phase (70er und 80er aufkam). Details in der Ausführung der Mechanik verwiesen auf ein handwerklich in Westdeutschland hergestelltes Instrument, vielleicht auch hier ein Gesellen- oder Meisterstück. Intonatorisch und vom Klangcharakter und Spielgefühl her kann sie allerdings leider einer Uebel nicht das Wasser reichen.
Nochmal zu der Klarinette, die Dich anscheinend insteressiert: vor ein paar Jahren war sie schon mal zu verkaufen, in meiner Erinnerung lag sie bei den Holzbläsern. Das erste Photo in der Annonce (in diesem DDR-um-1960-Kasten mit rotem Futter, wo noch die zweite Birne zu sehen ist) stammt aus dieser Zeit. Ich wäre da aber vorsichtig. Und vielleicht verstehst Du jetzt ein bisschen besser, warum! (Der Verkäufer wirkt allerdings seriös, ihn gibt's, er leitet die Kapelle eines Musikvereins im Sauerland.)
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Re: Originale Uebel ohne Stempel und Seriennummer
Hallo Christian,
vielen Dank für die mehr als ausführliche Antwort. Von dir kann man immer wieder etwas erfahren, was man selber noch nicht wußte.
Mir ist tatsächlich besagte Klarinette aufgefallen. Kaufen wollte ich sie nicht, du kennst meinen Satz A/B ja zumindest von den Bildern, da bin ich bestens versorgt.
Meine Vermutung war entweder Eigenbau oder ein Instrument, das Ende August/Anfang September 1963 im unmittelbaren Zusammenhang mit der Übernahme und Umstellung durch den Neffen irgendwie ungemarkt/ungestempelt geblieben ist.
Zu Müller Bremen: Vor sehr vielen Jahren wollte mir ein in Köln bekannter Holzblasmeister eine Müller Bremen verkaufen, obwohl ich Uebel suchte. In seiner sehr speziellen Art (wer ihn kannte, weiß, was ich meine) meinte er, Müller wäre auch Uebel. Der klangliche Unterschied von b und f'' war bei den Griffvarianten aber so groß. dass ich sie nicht wollte.
vielen Dank für die mehr als ausführliche Antwort. Von dir kann man immer wieder etwas erfahren, was man selber noch nicht wußte.
Mir ist tatsächlich besagte Klarinette aufgefallen. Kaufen wollte ich sie nicht, du kennst meinen Satz A/B ja zumindest von den Bildern, da bin ich bestens versorgt.
Meine Vermutung war entweder Eigenbau oder ein Instrument, das Ende August/Anfang September 1963 im unmittelbaren Zusammenhang mit der Übernahme und Umstellung durch den Neffen irgendwie ungemarkt/ungestempelt geblieben ist.
Zu Müller Bremen: Vor sehr vielen Jahren wollte mir ein in Köln bekannter Holzblasmeister eine Müller Bremen verkaufen, obwohl ich Uebel suchte. In seiner sehr speziellen Art (wer ihn kannte, weiß, was ich meine) meinte er, Müller wäre auch Uebel. Der klangliche Unterschied von b und f'' war bei den Griffvarianten aber so groß. dass ich sie nicht wollte.