Julius Keilwerth (Graslitz) Tenorsaxophon- Bj. 1941 (SN 18237) - Modelbestimmung
Moderatoren: Dr. Enrico Weller, Mario Weller
Julius Keilwerth (Graslitz) Tenorsaxophon- Bj. 1941 (SN 18237) - Modelbestimmung
Hallo liebe Foren-Gemeinde,
ich wende mich heute mit einem echten Herzensprojekt an euch. Ich besitze seit mittlerweile 20 Jahren ein Julius Keilwerth Tenorsaxophon aus Graslitzer Produktion. Nach jahrelangem Dornröschenschlaf hat es nun begonnen, mein Interesse zu wecken. Ich bin mir sicher, dass durch die Hilfe der Schwarmintelligenz und das besondere Fachwissen der Mitglieder hier eine genaue Bestimmung dieses Instruments doch sicherlich möglich ist.
Anhand der Seriennummer 18237 müsste das Instrument ziemlich genau aus dem Jahr 1941 stammen.
Hier sind die konkreten Ausstattungsmerkmale, die ich bis dato sicher feststellen konnte:
• Grunddaten: Tenorsaxophon mit JKG Logo.
• Seriennummer: 18237 (an der Mechanik konnte ich die Nummer als "Matching Numbers" bislang an drei verschiedenen Bauteilen entdecken).
• Tonlöcher: Gebördelte Tonlöcher (Rolled Tone Holes).
• S-Bogen: Ausgestattet mit einem Microtuner.
• Applikatur: Insgesamt 13 Perlmutt-Einlagen und 7 Rollen.
• Gravur: Der Schallbecher ist wundervoll und extrem aufwendig graviert. Es wurden keine Mühen gescheut: Alle Flächen der Formen sind durch hunderte oder tausende kleine Wellen schattiert – ein Detail, das ich so bis dato noch bei keinem anderen Objekt finden konnte.
• Stempel: Es trägt trotz des späten Baujahres 1941 noch den Export-Stempel „Made in Czechoslovakia“.
• Polsterung: Bei einer früheren Überholung wurde erfreulicherweise historisch korrekt auf Resonatoren verzichtet.
Meine Fragen an euch:
1. Welches Modell habe ich hier genau vor mir? Deuten der Microtuner und die aufwendige Gravur auf ein „Toneking“ oder eine spezifische Export-Variante hin?
2. Wie lässt sich der „Czechoslovakia“-Stempel zum Baujahr 1941 historisch einordnen? Lief der Export unter diesem Label damals tatsächlich noch weiter?
Ich bin sehr gespannt auf eure Einschätzungen und freue mich auf den Austausch!
Beste Grüße
Daniel
ich wende mich heute mit einem echten Herzensprojekt an euch. Ich besitze seit mittlerweile 20 Jahren ein Julius Keilwerth Tenorsaxophon aus Graslitzer Produktion. Nach jahrelangem Dornröschenschlaf hat es nun begonnen, mein Interesse zu wecken. Ich bin mir sicher, dass durch die Hilfe der Schwarmintelligenz und das besondere Fachwissen der Mitglieder hier eine genaue Bestimmung dieses Instruments doch sicherlich möglich ist.
Anhand der Seriennummer 18237 müsste das Instrument ziemlich genau aus dem Jahr 1941 stammen.
Hier sind die konkreten Ausstattungsmerkmale, die ich bis dato sicher feststellen konnte:
• Grunddaten: Tenorsaxophon mit JKG Logo.
• Seriennummer: 18237 (an der Mechanik konnte ich die Nummer als "Matching Numbers" bislang an drei verschiedenen Bauteilen entdecken).
• Tonlöcher: Gebördelte Tonlöcher (Rolled Tone Holes).
• S-Bogen: Ausgestattet mit einem Microtuner.
• Applikatur: Insgesamt 13 Perlmutt-Einlagen und 7 Rollen.
• Gravur: Der Schallbecher ist wundervoll und extrem aufwendig graviert. Es wurden keine Mühen gescheut: Alle Flächen der Formen sind durch hunderte oder tausende kleine Wellen schattiert – ein Detail, das ich so bis dato noch bei keinem anderen Objekt finden konnte.
• Stempel: Es trägt trotz des späten Baujahres 1941 noch den Export-Stempel „Made in Czechoslovakia“.
• Polsterung: Bei einer früheren Überholung wurde erfreulicherweise historisch korrekt auf Resonatoren verzichtet.
Meine Fragen an euch:
1. Welches Modell habe ich hier genau vor mir? Deuten der Microtuner und die aufwendige Gravur auf ein „Toneking“ oder eine spezifische Export-Variante hin?
2. Wie lässt sich der „Czechoslovakia“-Stempel zum Baujahr 1941 historisch einordnen? Lief der Export unter diesem Label damals tatsächlich noch weiter?
Ich bin sehr gespannt auf eure Einschätzungen und freue mich auf den Austausch!
Beste Grüße
Daniel
Re: Julius Keilwerth (Graslitz) Tenorsaxophon- Bj. 1941 (SN 18237) - Modelbestimmung
Hallo Daniel,
die SN 18237 wurde nicht mehr von Julius Keilwerth gebaut, sondern nach Kriegsende (sicherlich zwischen 1947 und 1950) in der Chechoslovakei, wie es auch auf dem Sax. eingraviert ist.
Mit Hitlers Machtübernahme wurde der Sudetengau zu Deutschland gezählt, daher kam eine Gravur CZ nicht mehr flächendeckend vor. Und alle Instrumente ca. ab der SN 17500 trugen durchgängig diese Herstelllungslandkennzeichnung. Es müssen also Nachkriegsinstrumente gewesen sein.
Im Netz steht geschrieben, dass diese Saxophone noch mit Hilfe der alten Werkzeuge von Julius Keilwerth gebaut worden sind - teils sogar durch sein altes Personal. Also kann man durchaus davon ausgehen, dass sich die Saxophone kaum von den früheren "echten" JKG Saxophonen unterschieden.
Ein Unterschied ist aber deutlich: der Gabelgriff, der bei JKG noch Standard beim Toneking Modell 1 war, entfiel beim AMATI Toneking. Genau so ein Instrument liegt hier vor.
Spielst du eigentlich selber Saxophon? Dann viel Spaß mit dem Instrument.
Beste Grüße, Tobi.
die SN 18237 wurde nicht mehr von Julius Keilwerth gebaut, sondern nach Kriegsende (sicherlich zwischen 1947 und 1950) in der Chechoslovakei, wie es auch auf dem Sax. eingraviert ist.
Mit Hitlers Machtübernahme wurde der Sudetengau zu Deutschland gezählt, daher kam eine Gravur CZ nicht mehr flächendeckend vor. Und alle Instrumente ca. ab der SN 17500 trugen durchgängig diese Herstelllungslandkennzeichnung. Es müssen also Nachkriegsinstrumente gewesen sein.
Im Netz steht geschrieben, dass diese Saxophone noch mit Hilfe der alten Werkzeuge von Julius Keilwerth gebaut worden sind - teils sogar durch sein altes Personal. Also kann man durchaus davon ausgehen, dass sich die Saxophone kaum von den früheren "echten" JKG Saxophonen unterschieden.
Ein Unterschied ist aber deutlich: der Gabelgriff, der bei JKG noch Standard beim Toneking Modell 1 war, entfiel beim AMATI Toneking. Genau so ein Instrument liegt hier vor.
Spielst du eigentlich selber Saxophon? Dann viel Spaß mit dem Instrument.
Beste Grüße, Tobi.
Re: Julius Keilwerth (Graslitz) Tenorsaxophon- Bj. 1941 (SN 18237) - Modelbestimmung
Hallo Tobi,
vielen Dank für deine Einschätzung! Ein spannender Gedanke, allerdings lassen mich das geschützte – und von Amati nach dem Krieg nicht mehr verwendete – "JKG"-Logo auf dem Becher sowie das extrem geringe Gewicht von nur 3250g doch stark an einer reinen Nachkriegsfertigung zweifeln. Gerade diese Leichtbauweise spricht für mich viel eher für die strikte Materialrationierung der Kriegswirtschaft um 1941.
Lass uns deine weiteren Punkte mal durchgehen:
Was den Schriftzug "Made in Czechoslovakia" betrifft: Ein solcher Stempel tauchte in dieser Zeit häufig bei Instrumenten auf, die für den Export bestimmt waren. Es ist also gut denkbar, dass es sich hierbei um Ware zur wichtigen Devisenbeschaffung handelte. Für den internationalen Markt galten damals ja oft ganz eigene Regeln, unabhängig von der Annexionszeit.
Was deinen Punkt zur Seriennummer angeht: Das ist eine wirklich interessante Überlegung. Bisher bin ich – gestützt auf die gängige Fachliteratur und nachdem ich mich wirklich durch etliche Fachforen (nicht nur dieses hier) gelesen habe – eigentlich davon ausgegangen, dass die reine Keilwerth-Produktion noch ein gutes Stück über die 17.500 hinausging. Wenn der Schnitt tatsächlich schon dort gemacht worden wäre, würde das den bisherigen Kenntnisstand ja ziemlich auf den Kopf stellen.
Dein Hinweis zum fehlenden Gabel-Es-Griff ist ebenfalls sehr aufmerksam. In der Kombination mit dem originalen JKG-Stempel und dem extremen Leichtbau könnte ich mir aber gut vorstellen, dass dieser Griff – vielleicht zur Materialersparnis oder als frühe Modernisierung für den Export – bei diesem Modell einfach schon vor dem Krieg weggelassen wurde.
Zu deiner Frage am Ende: Ich spiele selbst noch nicht, werde aber definitiv anfangen! Wir haben das Saxophon gestern im Musikhaus kurz angetestet – und obwohl mechanisch noch einiges gemacht werden muss, war das erste klangliche Ergebnis schon absolut beeindruckend.
Beste Grüße
Daniel
vielen Dank für deine Einschätzung! Ein spannender Gedanke, allerdings lassen mich das geschützte – und von Amati nach dem Krieg nicht mehr verwendete – "JKG"-Logo auf dem Becher sowie das extrem geringe Gewicht von nur 3250g doch stark an einer reinen Nachkriegsfertigung zweifeln. Gerade diese Leichtbauweise spricht für mich viel eher für die strikte Materialrationierung der Kriegswirtschaft um 1941.
Lass uns deine weiteren Punkte mal durchgehen:
Was den Schriftzug "Made in Czechoslovakia" betrifft: Ein solcher Stempel tauchte in dieser Zeit häufig bei Instrumenten auf, die für den Export bestimmt waren. Es ist also gut denkbar, dass es sich hierbei um Ware zur wichtigen Devisenbeschaffung handelte. Für den internationalen Markt galten damals ja oft ganz eigene Regeln, unabhängig von der Annexionszeit.
Was deinen Punkt zur Seriennummer angeht: Das ist eine wirklich interessante Überlegung. Bisher bin ich – gestützt auf die gängige Fachliteratur und nachdem ich mich wirklich durch etliche Fachforen (nicht nur dieses hier) gelesen habe – eigentlich davon ausgegangen, dass die reine Keilwerth-Produktion noch ein gutes Stück über die 17.500 hinausging. Wenn der Schnitt tatsächlich schon dort gemacht worden wäre, würde das den bisherigen Kenntnisstand ja ziemlich auf den Kopf stellen.
Dein Hinweis zum fehlenden Gabel-Es-Griff ist ebenfalls sehr aufmerksam. In der Kombination mit dem originalen JKG-Stempel und dem extremen Leichtbau könnte ich mir aber gut vorstellen, dass dieser Griff – vielleicht zur Materialersparnis oder als frühe Modernisierung für den Export – bei diesem Modell einfach schon vor dem Krieg weggelassen wurde.
Zu deiner Frage am Ende: Ich spiele selbst noch nicht, werde aber definitiv anfangen! Wir haben das Saxophon gestern im Musikhaus kurz angetestet – und obwohl mechanisch noch einiges gemacht werden muss, war das erste klangliche Ergebnis schon absolut beeindruckend.
Beste Grüße
Daniel
Re: Julius Keilwerth (Graslitz) Tenorsaxophon- Bj. 1941 (SN 18237) - Modelbestimmung
Hallo Daniel,DanielK hat geschrieben: ↑Di 17. Mär 2026, 13:45
Was deinen Punkt zur Seriennummer angeht: Das ist eine wirklich interessante Überlegung. Bisher bin ich – gestützt auf die gängige Fachliteratur und nachdem ich mich wirklich durch etliche Fachforen (nicht nur dieses hier) gelesen habe – eigentlich davon ausgegangen, dass die reine Keilwerth-Produktion noch ein gutes Stück über die 17.500 hinausging. Wenn der Schnitt tatsächlich schon dort gemacht worden wäre, würde das den bisherigen Kenntnisstand ja ziemlich auf den Kopf stellen.
weil etwas andauernd im Netz und sonstwo wiederholt wird, muss es nicht richtig sein. So kann man sich halt täuschen (lassen).
Und zu 1941: Die Situation mit Hitler und Sudetendeutschland (nicht Czechoslovakia) hatte ich ja bereits beschrieben.
Viele Grüße,
Tobi.
PS: Google doch mal den Rechtstreit über die Namensrechte zwischen Amati und Julius Keilwerth in den 50ern. Dann kannst du ja nochmal Feedback geben.
Re: Julius Keilwerth (Graslitz) Tenorsaxophon- Bj. 1941 (SN 18237) - Modelbestimmung
Hallo Tobi,
danke für den Hinweis auf den Amati-Rechtsstreit. Dass die Genossenschaft Amati nach der Enteignung ab 1945 die alten JKG-Stempel und das JK-Logo missbräuchlich weiterverwendete, ist historisch unbestritten.
In Bezug auf dieses konkrete Instrument sehe ich da allerdings ein paar offene Fragen:
1. Die Chronologie: Die Gründung von Amati im Herbst 1945 erklärt nicht die Seriennummer (18237), die nach bisherigem Konsens der Literatur in die Zeit um 1941 fällt.
2. Die Wirtschaftspraxis: Das Argument der politischen Geografie ("Sudetendeutschland" vs. "Czechoslovakia") blendet aus, dass "Made in Czechoslovakia" ein weltweit etabliertes Export-Prädikat war. In der strengen Materialrationierung der Kriegswirtschaft wurden solche wertvollen Prägewerkzeuge für den Export höchstwahrscheinlich schlichtweg weiter genutzt.
3. Das Gewicht: Das extrem reduzierte Gewicht von nur 3250g ist ein klassisches Indiz für die Materialknappheit und passt baulich perfekt in die strenge Kriegswirtschaft um 1941.
Mich würden zu dieser spezifischen Kombination aus Seriennummer, Gewicht und Export-Stempel auch die Meinungen und Einschätzungen der anderen Mitglieder interessieren. Wie seht ihr das? Habt ihr ähnliche Instrumente aus dieser Übergangszeit in euren Aufzeichnungen?
Viele Grüße,
Daniel
danke für den Hinweis auf den Amati-Rechtsstreit. Dass die Genossenschaft Amati nach der Enteignung ab 1945 die alten JKG-Stempel und das JK-Logo missbräuchlich weiterverwendete, ist historisch unbestritten.
In Bezug auf dieses konkrete Instrument sehe ich da allerdings ein paar offene Fragen:
1. Die Chronologie: Die Gründung von Amati im Herbst 1945 erklärt nicht die Seriennummer (18237), die nach bisherigem Konsens der Literatur in die Zeit um 1941 fällt.
2. Die Wirtschaftspraxis: Das Argument der politischen Geografie ("Sudetendeutschland" vs. "Czechoslovakia") blendet aus, dass "Made in Czechoslovakia" ein weltweit etabliertes Export-Prädikat war. In der strengen Materialrationierung der Kriegswirtschaft wurden solche wertvollen Prägewerkzeuge für den Export höchstwahrscheinlich schlichtweg weiter genutzt.
3. Das Gewicht: Das extrem reduzierte Gewicht von nur 3250g ist ein klassisches Indiz für die Materialknappheit und passt baulich perfekt in die strenge Kriegswirtschaft um 1941.
Mich würden zu dieser spezifischen Kombination aus Seriennummer, Gewicht und Export-Stempel auch die Meinungen und Einschätzungen der anderen Mitglieder interessieren. Wie seht ihr das? Habt ihr ähnliche Instrumente aus dieser Übergangszeit in euren Aufzeichnungen?
Viele Grüße,
Daniel
Re: Julius Keilwerth (Graslitz) Tenorsaxophon- Bj. 1941 (SN 18237) - Modelbestimmung
Hallo Daniel,
ich versuche es nochmals:
1. Die Chronologie: Die Gründung von Amati im Herbst 1945 erklärt nicht die Seriennummer (18237), die nach bisherigem Konsens der Literatur in die Zeit um 1941 fällt.
--> Nicht alles, was "Konsens der Literatur" ist, muss richtig sein. Die stete Wiederholung von als Tatsachen verpackten Vermutungen (neudeutsch Fake News) manifestiert zwar, erzeugt aber keine Wahrheiten.
2. Die Wirtschaftspraxis: Das Argument der politischen Geografie ("Sudetendeutschland" vs. "Czechoslovakia") blendet aus, dass "Made in Czechoslovakia" ein weltweit etabliertes Export-Prädikat war. In der strengen Materialrationierung der Kriegswirtschaft wurden solche wertvollen Prägewerkzeuge für den Export höchstwahrscheinlich schlichtweg weiter genutzt.
--> Der letzte Satz ist aus meiner Sicht eine Behauptung. Warum sollte man ein Werkzeug weiternutzen, welches eine Falschinformation beinhaltet? Dann bringe ich doch eher gar keinen Stempel auf. Zeig mir bitte ein Saxophon von Julius Keilwerth mit "Made in Czechoslovakia" Gravur. Gerne auch mit Baujahr vor 1939. Wie gesagt, Deins wurde von Amati gebaut.
3. Das Gewicht: Das extrem reduzierte Gewicht von nur 3250g ist ein klassisches Indiz für die Materialknappheit und passt baulich perfekt in die strenge Kriegswirtschaft um 1941.
--> Ich kenne durchaus Tenöre mit einem Gewicht von 3,1kg, die 1936 gebaut worden sind. Auch ein Hohner President oder Kohlert Regent (Nachkriegs-) Tenor kann 3200g wiegen. Das Indiz passt leider nicht.
Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg beim Forschen,
Tobi.
ich versuche es nochmals:
1. Die Chronologie: Die Gründung von Amati im Herbst 1945 erklärt nicht die Seriennummer (18237), die nach bisherigem Konsens der Literatur in die Zeit um 1941 fällt.
--> Nicht alles, was "Konsens der Literatur" ist, muss richtig sein. Die stete Wiederholung von als Tatsachen verpackten Vermutungen (neudeutsch Fake News) manifestiert zwar, erzeugt aber keine Wahrheiten.
2. Die Wirtschaftspraxis: Das Argument der politischen Geografie ("Sudetendeutschland" vs. "Czechoslovakia") blendet aus, dass "Made in Czechoslovakia" ein weltweit etabliertes Export-Prädikat war. In der strengen Materialrationierung der Kriegswirtschaft wurden solche wertvollen Prägewerkzeuge für den Export höchstwahrscheinlich schlichtweg weiter genutzt.
--> Der letzte Satz ist aus meiner Sicht eine Behauptung. Warum sollte man ein Werkzeug weiternutzen, welches eine Falschinformation beinhaltet? Dann bringe ich doch eher gar keinen Stempel auf. Zeig mir bitte ein Saxophon von Julius Keilwerth mit "Made in Czechoslovakia" Gravur. Gerne auch mit Baujahr vor 1939. Wie gesagt, Deins wurde von Amati gebaut.
3. Das Gewicht: Das extrem reduzierte Gewicht von nur 3250g ist ein klassisches Indiz für die Materialknappheit und passt baulich perfekt in die strenge Kriegswirtschaft um 1941.
--> Ich kenne durchaus Tenöre mit einem Gewicht von 3,1kg, die 1936 gebaut worden sind. Auch ein Hohner President oder Kohlert Regent (Nachkriegs-) Tenor kann 3200g wiegen. Das Indiz passt leider nicht.
Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg beim Forschen,
Tobi.
Re: Julius Keilwerth (Graslitz) Tenorsaxophon- Bj. 1941 (SN 18237) - Modelbestimmung
Hallo Tobi,
danke für deine Einschätzung! Ich habe mir die Punkte noch einmal genau angesehen. Um den historischen Kontext des Instruments aufzuklären, stütze ich mich hauptsächlich auf das anerkannte Standardwerk der Fachliteratur („Saxophone“ von Günter Dullat).
Hier kurz zusammengefasst meine Erkenntnisse daraus:
1. Baujahr und Amati
Laut der detaillierten Seriennummern-Chronologie im Buch fällt die Nummer 18237 eindeutig in die Produktion des Jahres 1941. Wäre es ein Instrument, das nach der Enteignung Ende 1945 von Amati gebaut wurde, müssten sich laut der Literatur entsprechende Amati- oder Kraslice-Stempel auf dem Horn finden. Diese fehlen hier komplett.
2. Der Export-Stempel
Das Buch belegt ebenfalls, dass der Stempel "Made in Czechoslovakia" gezielt für Exportinstrumente genutzt wurde (und erst nach 1945 durch "Made in Germany" ersetzt wurde). Die Nutzung dieses etablierten Prädikats im Jahr 1941 ergibt für die staatliche Devisenbeschaffung im neutralen Ausland absolut Sinn.
3. Gewicht und Mangelwirtschaft
Beim Gewicht hast du einen extrem spannenden Punkt angesprochen, der sich bei genauerer Betrachtung als starkes Indiz entpuppt. Der Standard für Tenorsaxophone der Vorkriegszeit lag häufig bei massiveren 3400 bis 3600 Gramm. Dass dieses Instrument mit 3250g etwas leichter ausfällt, spiegelt exakt die historische Realität der strengen Materialkontingentierung von 1941 wider – beim Messingblech des Korpus musste offenbar bereits eingespart werden. Der eigentliche Kontrast zur Kriegswirtschaft zeigt sich dann jedoch in der Ausstattung: Während lokale Konkurrenten wie Kohlert laut Fachliteratur ab 1940 aus Materialmangel unbeschichtete Sparmodelle bauen mussten, verfügt dieses Keilwerth trotz der Materialreduktion beim Korpus über die absolute mechanische Vollausstattung (Mikrotuner, gebördelte Tonlöcher). Dazu kommt eine aufwendige Handstichel-Gravur, die im 1940er Katalog nicht als Standard gelistet ist und ein herausragendes Qualitätsmerkmal darsgrn tellt, das den immensen handwerklichen Aufwand bei diesem Instrument unterstreicht.
Ich kann dieses fantastische Werk wirklich jedem ans Herz legen, der tief in die Geschichte und Technik des Instrumentenbaus eintauchen möchte – es ist eine absolute Goldgrube an fundierten Informationen und hat mir extrem geholfen, die vielen Details historisch richtig einzuordnen.
Ich werde zeitnah lediglich einen Zwischenbericht meiner aktuellen Ergebnisse in einem weiteren Beitrag vorlegen.
Beste Grüße,
DanÖl
danke für deine Einschätzung! Ich habe mir die Punkte noch einmal genau angesehen. Um den historischen Kontext des Instruments aufzuklären, stütze ich mich hauptsächlich auf das anerkannte Standardwerk der Fachliteratur („Saxophone“ von Günter Dullat).
Hier kurz zusammengefasst meine Erkenntnisse daraus:
1. Baujahr und Amati
Laut der detaillierten Seriennummern-Chronologie im Buch fällt die Nummer 18237 eindeutig in die Produktion des Jahres 1941. Wäre es ein Instrument, das nach der Enteignung Ende 1945 von Amati gebaut wurde, müssten sich laut der Literatur entsprechende Amati- oder Kraslice-Stempel auf dem Horn finden. Diese fehlen hier komplett.
2. Der Export-Stempel
Das Buch belegt ebenfalls, dass der Stempel "Made in Czechoslovakia" gezielt für Exportinstrumente genutzt wurde (und erst nach 1945 durch "Made in Germany" ersetzt wurde). Die Nutzung dieses etablierten Prädikats im Jahr 1941 ergibt für die staatliche Devisenbeschaffung im neutralen Ausland absolut Sinn.
3. Gewicht und Mangelwirtschaft
Beim Gewicht hast du einen extrem spannenden Punkt angesprochen, der sich bei genauerer Betrachtung als starkes Indiz entpuppt. Der Standard für Tenorsaxophone der Vorkriegszeit lag häufig bei massiveren 3400 bis 3600 Gramm. Dass dieses Instrument mit 3250g etwas leichter ausfällt, spiegelt exakt die historische Realität der strengen Materialkontingentierung von 1941 wider – beim Messingblech des Korpus musste offenbar bereits eingespart werden. Der eigentliche Kontrast zur Kriegswirtschaft zeigt sich dann jedoch in der Ausstattung: Während lokale Konkurrenten wie Kohlert laut Fachliteratur ab 1940 aus Materialmangel unbeschichtete Sparmodelle bauen mussten, verfügt dieses Keilwerth trotz der Materialreduktion beim Korpus über die absolute mechanische Vollausstattung (Mikrotuner, gebördelte Tonlöcher). Dazu kommt eine aufwendige Handstichel-Gravur, die im 1940er Katalog nicht als Standard gelistet ist und ein herausragendes Qualitätsmerkmal darsgrn tellt, das den immensen handwerklichen Aufwand bei diesem Instrument unterstreicht.
Ich kann dieses fantastische Werk wirklich jedem ans Herz legen, der tief in die Geschichte und Technik des Instrumentenbaus eintauchen möchte – es ist eine absolute Goldgrube an fundierten Informationen und hat mir extrem geholfen, die vielen Details historisch richtig einzuordnen.
Ich werde zeitnah lediglich einen Zwischenbericht meiner aktuellen Ergebnisse in einem weiteren Beitrag vorlegen.
Beste Grüße,
DanÖl