Doppelhorn und Tenorhorn

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Christoph Böhme
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Doppelhorn und Tenorhorn

Beitrag von Christoph Böhme »

Hallo,
bei mir zu Hause gibt es zur Zeit zwei Instrumente, über die ich gerne mehr erfahren möchte (Modell, genaues Baujahr und was sonst noch herauszufinden ist).

Das erste ist ein Doppelhorn der Marke Hans Hoyer. Dieses hat die Seriennummer 157266M und ist Made in GDR. Hierbei handelt es sich um ein kompensiertes Doppelhorn mit abschraubbarem Schallbecher und a-Stopfventil.

Das zweite ist ein Tenorhorn der Marke Weltklang, welches ich von meinem Uropa bekommen habe. Dieses hat die Seriennummer (C)189503 und ist auch Made in GDR. Bei dem C bin ich mir nicht sicher, da man das nicht wirklich erkennen kann. Das Tenorhorn hat 3 Ventile.

Außerdem würde ich gerne wissen was diese „Zweiteilung” auf dem Bild bezweckt oder warum das so ist. Das ist bei jedem der Stimmzüge des Doppelhorns so aufzufinden.

Vielen Dank für jede Antwort :)
LG Christoph
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Mario Weller
Metallblasinstrumentenbaumeister
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Re: Doppelhorn und Tenorhorn

Beitrag von Mario Weller »

Hallo Christoph,

Ihr kompensiertes Hoyer-Doppelhorn wurde einst unter der Modellnummer 807 (Kugelgelenke) und 808 (Schnurmechanik) geführt. Die Seriennummer verrät uns, dass es Ende 1979 angefertigt wurde.

Besagtes Tenorhorn ist auf das Baujahr 1983 zu datieren, ich vermute mal der Buchstabe "C" könnte auch ein "O" sein?

Zu den Zügen bei Doppelhörnern von Hans Hoyer:

Eine schriftliche Erklärung / Begründung findet sich seitens des Herstellers nicht, kein Katalog und keine mir bekannte Pressemitteilung gibt darüber Auskunft.
Sinn des Ganzen könnte zum einen eine "Verkürzung" der Wandungsreibung gewesen sein, ähnlich dem Stiefel an Posaunen. Aber ich tendiere stärker dahingehend, dass man damit das sicht- und vor allem berührbare Vorhandensein von Zugfett bei leicht herausgezogenen Zügen vermindern wenn nicht sogar verhindern wollte. Umgangssprachlich sprachen wir bei dieser Art Zügen stets von Zügen mit Stiefel. Diese gab es m. W. aber konsequent nur bei den Wald- und Doppelhörnern. Wann genau dies wieder abgeschafft wurde entzieht sich meiner Kenntnis, jedoch dürfte es etwa Mitte der 1990er Jahre gewesen sein.


Mit freundlichen Grüßen

Mario Weller

Christoph Böhme
Beiträge: 3
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Re: Doppelhorn und Tenorhorn

Beitrag von Christoph Böhme »

Hallo Herr Weller,
danke für die Antwort!

Das Doppelhorn ist mir Kugelgelenken ausgestattet, was bedeutet es ist das Modell 807.

Ist es möglich das Modell des Tenorhorn näher zu bestimmen? Ich (versuche) drei Bilder anzuhängen, auf dem man noch einmal die Seriennummer sehen kann und dann das ganze Instrument. Es könnte auch ein O statt ein C dort stehen, aber es ist nicht gut lesbar.

Das mit dieser „Zweispaltung” war mir wirklich vollkommen neu und jetzt kann ich das (dank ihnen) auch nachvollziehen. Meine Vermutungen wären gewesen, dass man das gemacht hat entweder um das Instrument immer perfekt gestimmt zu haben oder man hat es nachträglich angebracht, da man diese Züge erst zu kurz gebaut hat. Das hat jedoch beides nicht wirklich Sinn für mich ergeben.
Bei näherer Betrachtung ist mir gerade noch aufgefallen, dass sich beide Teile in der Breite ganz leicht unterscheiden, was mir zuvor noch gar nicht aufgefallen war und das spricht auch noch mal für ihren Nutzen.

LG Christoph :)
Dateianhänge
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Mario Weller
Metallblasinstrumentenbaumeister
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Re: Doppelhorn und Tenorhorn

Beitrag von Mario Weller »

Hallo Christoph,

zum Tenorhorn gibt es noch anzufügen, dass dieses damals als Modell Nr. 32 geführt wurde. Mit der Verlegung des 3. Ventilzuges wurde es dann als Modell 3032 unter der Marke B & S weitergeführt - bis zum heutigen Tage.

Ob es nun ein "C" ist oder ein "O" sein sollte, dass ist nicht zu mehr restlos aufzuklären. Das "O" spräche konkret für die (abteilungsinterne) Kennzeichnung und drückt aus, welcher Mitarbeiter dieses Instrument gebaut hat. Da in der Abteilung stets mehrere Instrumentenmacher arbeiteten, diese zusätzliche Kennzeichnung auch weitergegeben wurde, lässt sich heute leider nicht mehr alles rekonstruieren.


Mit freundlichen Grüßen

Mario Weller

Christoph Böhme
Beiträge: 3
Registriert: Do 12. Feb 2026, 19:02

Re: Doppelhorn und Tenorhorn

Beitrag von Christoph Böhme »

Hallo,
nochmals vielen Dank für die Rückmeldung und Antwort!

Die Verlegung des 3. Ventilzuges war vermutlich vor allem dem geringeren Aufwand verschuldet, was auch nachvollziehbar ist. Ich finde trotzdem die „alte”/komplizierte Bauweise (unerklärlicherweise) schöner, die man heute aber leider nicht mehr findet.

Damit sind alle meine Fragen beantwortet und ich bin dankbar, denn ich finde, dass solche Informationen dafür sorgen Tradition und Geschichte zu erhalten oder ein Instrument ganz anders zu würdigen. ;)
LG Christoph

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